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    „Startschuss für eine neue Welterbe-Ära“

    Das Welterbe-Besucherzentrum Bamberg auf dem Areal der Unteren Mühlen hat seine Pforten geöffnet

    02.05.2019

    „Startschuss für eine neue Welterbe-Ära“

     

    74 Jahre hat es gedauert, bis eine letzte Kriegslücke im Herzen der Stadt geschlossen werden konnte. Doch es ist viel mehr als „nur“ ein gelungener Lückenschluss: das neue Welterbe-Besucherzentrum an den Unteren Mühlen vermittelt ab dem heutigen 30. April Besuchern wie Einheimischen auf unterhaltsame, spielerische und informative Art, warum die Altstadt von Bamberg ein Erbe der gesamten Menschheit ist und was das bedeutet. „Bamberg lebt das Welterbe exzellent!“- mit diesen Worten lobte Generalkonservator Mathias Pfeil vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Festredner bei der feierlichen Eröffnung am 29. April nicht nur das schmucke neue Besucherzentrum, sondern letztlich die gesamte Stadtgesellschaft für ihren Umgang mit dem historischen Erbe.

    Aufgrund ihrer frühmittelalterlichen Stadtstruktur sowie ihrer hervorragend erhaltenen mittelalterlichen und barocken Architektur wurde die „Altstadt von Bamberg“ 1993 mit dem UNESCO-Welterbetitel geadelt. Damit verbunden ist auch die Pflicht, die Besonderheit des Ortes angemessen zu vermitteln. „Das neue Welterbe-Besucherzentrum leistet hierzu einen wichtigen Beitrag“ erläuterte Patricia Alberth, Leiterin des Zentrums Welterbe Bamberg (ZWB), den Gedanken hinter dem neu geschaffenen Ort. Auf rund 220 Quadratmetern wird die Welterbestadt Bamberg mit ihren drei historischen Siedlungsgebieten Berg-, Insel- und Gärtnerstadt vorgestellt und in den internationalen UNESCO-Kontext eingebettet. Dabei darf ein Exkurs zum immateriellen Kulturerbe nicht fehlen, denn ohne das Wissen und Können der Menschen kann Architektur weder geschaffen noch erhalten werden. Auch auf die Staatsbibliothek wird verwiesen, wo mehrere Einträge aus dem Weltdokumentenerbe der UNESCO verwahrt sind.

    Als „Startschuss für eine neue Welterbe-Ära in Bamberg“ bezeichnete Oberbürgermeister Andreas Starke die Eröffnung des Hauses. „Die Ausstellung lässt uns die internationale Bedeutung Bambergs erkennen und spornt uns dazu an, uns weiterhin für unsere Altstadt einzusetzen“, so der OB. Bürgermeister Dr. Christian Lange als für das Welterbe-Management zuständige Referent, betonte die „Idee, das Welterbe Bamberg an Besucher genauso wie an Einheimische zu vermitteln“. 

    Im Gegensatz zu einem klassischen Museum verzichtet das Besucherzentrum weitgehend auf Originalexponate. Vielmehr bezieht sich die Ausstellung auf den Stadtraum und dient als Lesehilfe für die historischen Plätze und Gebäude, die die eigentlichen Exponate sind. So veranschaulichen mehrere Gebäudemodelle den frühmittelalterlichen und barocken Städtebau Bambergs. Pflanzstangen lenken die Aufmerksamkeit auf den Bamberger Erwerbsgartenbau, der sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lässt und mittlerweile in das Bundesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde.

    Neben Hörstationen, Filmen und digitalen Anwendungen, bildet ein mit Projektionen bespieltes, interaktives Stadtmodell das inhaltliche und inszenatorische Herzstück der Ausstellung. Es präsentiert unterschiedliche Zeitschichten Bambergs. Trotz eines niederschwelligen Konzeptionsansatzes mit vielen haptischen Elementen lädt die Ausstellung zur inhaltlichen Vertiefung ein. So können Menschen aller Altersgruppen die kulturellen, historischen und geografischen Facetten der Stadt erfahren. Das Besucherzentrum soll dabei einen Stadtrundgang nicht ersetzen, sondern zu Erkundungstouren auch abseits der Hauptachse vom Alten Rathaus zum Dom anregen.

     

    Von der Ruine zum Schmuckstück

    Das neue Welterbe-Besucherzentrum wurde unter der architektonischen Federführung von Heinz Rosenberg gebaut. So konnte die städtebauliche Kriegswunde, die seit Ende des Zweite Weltkriegs inmitten der Regnitz klaffte, geschlossen werden. Bauherr war dabei nicht die Stadt, sondern der Münchner Investor Johannes Kraus, der an dieser Stelle auch die historisch verwurzelte Nutzung der Wasserkraft wiederaufgenommen hat. Seit Sommer 2018 generiert eine 15-Tonnen-Turbine im Untergeschoss Energie für rund 300 Haushalte.

    Den Bauarbeiten waren archäologische Grabungen vorangegangen, die rund 900 Gründungspfähle alter Mühlen aus dem 11. bis 18. Jahrhundert sowie mehrere Mühlsteine zutage gebracht hatten. Die Fassadenreste der alten Sterzermühle wurden, obwohl nicht denkmalgeschützt, Stein für Stein abgetragen, gereinigt und anschließend als historische Referenz in den Neubau integriert. Da das Gebäude von der Regnitz umflossen wird, waren während der Bauarbeiten zeitweise auch Taucher und Motorboote im Einsatz.

     

    Bildnachweis: Jürgen Schraudner, Stadtarchiv Bamberg

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