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    "Wir wollen wieder Menschen sehen!"

    Interview mit Patricia Alberth, Leiterin des Zentrums Welterbe Bamberg

    28.02.2022

    "Wir wollen wieder Menschen sehen!"

     

    Patricia Alberth leitet seit fast zehn Jahren das Zentrum Welterbe Bamberg. In dieser Zeit wurde ein Managementplan für das Welterbe entwickelt und das neue Besuchszentrum auf den Unteren Mühlen eröffnet. Außerdem hat ganz Bamberg ein besonderes Jubiläum gefeiert: 25 Welterbe. Dann kam Corona.  

     

     

    Liebe Frau Alberth, wie hat sich Ihre Arbeit seit dem Ausbruch der Pandemie verändert?

    Die Meilensteine der letzten Jahre haben wir durch digitale Aktivitäten ergänzt, und wir haben unsere Welterbe-Vermittlungsangebote ausgebaut.

    Viele Fachveranstaltungen finden aktuell online statt. Dadurch konnten wir an mehr nationalen und internationalen Konferenzen teilnehmen als in den Vorjahren. U.a. durfte ich auf einer Begleitveranstaltung des Climate Heritage Network zur UN Klimakonferenz im November sprechen. Dennoch fehlt der persönliche Kontakt, der meist in den Pausen zustande kommt und aus dem nicht selten neue Kooperationen entstehen.

     

    Es gibt also weiterhin Arbeit bei Ihnen im Haus?

    Ja, natürlich – zumal wir mit dem Betrieb der Ausstellung eine zusätzliche Aufgabe haben. Trotz mehrerer Lockdowns konnten wir seit Eröffnung vor rund drei Jahren bereits über 60.000 Gäste begrüßen. Wie andere Einrichtungen mit Publikumsverkehr müssen auch wir uns an die sich ständig ändernden Corona-Regeln anpassen.

    Mit dem anhaltenden Bauboom schreiben wir viele Stellungnahmen. Beim Bahnausbau durch Bamberg sitzen wir mit am Tisch, auch wenn dieser außerhalb des Welterbes und seiner Pufferzone verortet ist. Als Welterbestadt unterliegen wir bei größeren Bauvorhaben einer Berichtspflicht an die UNESCO. Wir übersetzen also seitenweise „Bahn-Deutsch“ in Welterbe-Fachenglisch. Keine besonders dankbare Aufgabe – muss aber auch erledigt werden.

    Seit über zwei Jahren sind wir zudem im Netzwerk „Kultur & Genuss in Franken“ aktiv, unter dessen Dach Museen und Ausstellungshäuser zusammenarbeiten, die durch die Themen Kulinarik, Handwerk und Anbaukultur verbunden sind.

     

    Bamberg zählt seit rund 29 Jahren zum Welterbe der UNESCO. Wie haben sich die Anforderungen an das Welterbe-Management seitdem verändert?

    Die Klaviatur, die das Welterbe-Management laut der Richtlinien zur Umsetzung der UNESCO-Welterbekonvention zu bespielen hat, hat sich über die Jahrzehnte erheblich verbreitert. Welterbe ist ein Querschnittsthema, das vielfältige Bereiche des städtischen Lebens und Handelns betrifft. Themen wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Bürgerbeteiligung werden immer wichtiger. Diese Komplexität spiegelt sich in unserem zentralen Planungsinstrument, dem Welterbe-Managementplan wieder.

     

    Sie sind sehr gut vernetzt. Wie profitiert Bamberg davon?

    Das Zentrum Welterbe Bamberg ist in zahlreiche nationale und internationale Netzwerke wie den deutschen Welterbestättenverein und das UNESCO World Heritage City Lab eingebunden. Oft beschäftigen uns ähnliche Fragestellungen: Wie können wir mehr Grün in historische Altstädte bringen? Wie gehen wir mit Anträgen auf Photovoltaikanlagen im Welterbe um? Wie begeistern wir junge Menschen für ihr kulturelles Erbe? Hier können wir voneinander lernen. Auch Bambergs Sichtbarkeit als Stadt, die ihr kulturelles Erbe als Motor für eine zukunftsfähige Entwicklung nutzt, gewinnt dadurch.

     

    Und wann müssten wir uns in Bamberger Sorgen um unseren Welterbestatus machen?

    Bambergs Erhaltungszustand stand noch nie auf der Tagesordnung des Welterbekomitees. Unser Welterbestatus war also noch nie ernsthaft gefährdet, auch wenn es beim Quartier an den Stadtmauern jahrelang einen Briefwechsel mit der UNESCO zur Ausgestaltung und Dimensionierung des Quartiers gab. Einige der UNESCO-Briefe an Bamberg habe ich, als ich noch in Paris tätig war, sogar selbst aufgesetzt. Bei größeren Bauvorhaben stellt sich grundsätzlich die Frage, ob sie sich im Welterbe befinden oder historisch gewachsene Sichtbeziehungen stören. Dann ist aus Welterbesicht Vorsicht geboten.

     

    Was ist das Besondere am Welterbe „Altstadt von Bamberg“?

    Das Bamberger Welterbe ist mit den drei historischen Stadtteilen Berg-, Insel- und Gärtnerstadt überaus facettenreich und wird von einem breiten gesellschaftlichen Engagement getragen. Mit dem Erwerbsgartenbau und der Bauhüttentradition haben wir in Bamberg zudem eine starke Verknüpfung zwischen Welterbe und immateriellem Kulturerbe.

    Woran arbeiten Sie aktuell? Worauf dürfen sich die Bambergerinnen und Bamberger dieses Jahr freuen?

    Wir wollen wieder Menschen sehen! Live und in Farbe. Deshalb werden wir als Erstes die Öffnungszeiten unser Ausstellung wieder ausweiten und haben zahlreiche Veranstaltungen wie den UNESCO-Welterbetag geplant. Darüber hinaus sind wir in das internationale Forschungsprojekt der RWTH Aachen zum Thema „Urban Agricultural Heritage“ involviert, dessen Auftaktveranstaltung bei uns stattfinden wird.

     

    Und mit Blick auf Smart City Bamberg soll es für den Bereich der Karolinenstraße bis zum Herbst einen digitalen Zwilling geben, der die unterschiedlichen Funktionen des Projekts veranschaulicht. Ich denke da zum Beispiel an die Einbettung von Zeitzeugeninterviews und 3D-Visualisierungen von historischen Innenräumen.

     

    Da dürfen wir uns auf ein spannendes Welterbe-Jahr freuen! Vielen Dank für Ihre Zeit, Frau Alberth, und weiterhin viel Erfolg.

     

    Das Interview führte Anna Lienhardt.
     

    Fotonachweis: Sonja Seufferth/Stadtarchiv Bamberg

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